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Vermittlungspraxis

Mein künstlerisch-pädagogischer Ansatz verbindet experimentelle Medienkunst mit kultureller Bildungsarbeit. In meinen Workshops, Projekten und Ausstellungen verknüpfe ich traditionelle Ausdrucksformen mit zeitgenössischen Technologien. Partizipative Prozesse stehen dabei im Mittelpunkt, da Lernende ermutigt werden, ihre eigenen Ideen und Themen in künstlerische Formate einzubringen. Von universitären Seminaren über Workshops bis hin zum Fliegenden Künstler:innenzimmer steht die künstlerische Aktivierung an vorderster Stelle meines Prozesses. Durch experimentelle Medien, partizipative Methoden und gesellschaftlich relevante Fragestellungen lernen die Teilnehmenden, Kunst als offenen, kollaborativen und forschenden Prozess wahrzunehmen. Daraus entstehen nicht nur kreative Ergebnisse, sondern auch persönliche und gemeinschaftliche Entwicklungsschritte.


Residenz: Fliegendes Künstler:­innen­zimmer


Das „Fliegende Künstler:innenzimmer“ ist eine mobile, mehrjährige Artist-in-Residence-Initiative der Crespo Foundation in Partnerschaft mit dem Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen. Konzipiert als Wohn- und Arbeitsatelier direkt auf Schulgeländen im ländlichen Hessen, zielt das Projekt darauf ab, künstlerische Forschung in den Alltag zu integrieren und kulturelle Teilhabe abseits urbaner Zentren zu stärken. In Wolfhagen landete dieses Format im Oktober 2023 an der Walter-Lübcke-Schule mit einem voll ausgestatteten Atelier, in dem ich an drei Tagen pro Woche lebe, arbeite und in direkten Dialog mit der Schulgemeinschaft trete. Die dauerhafte Präsenz ermöglicht tiefe Zusammenarbeit, offenes Experimentieren und nachhaltigen Austausch.


Residenzhaus

Vor meinem Residenzhaus

„Das hat sich angefühlt wie ein Flugzeugabsturz! Können wir das jeden Morgen machen?!“ – Adil (13), Hauptschüler


Dieser Satz fiel morgens um 7:45 Uhr im Anschluss an Sound-Experimente in meinem Atelier. Neben dem Teilen meiner eigenen künstlerischen Praxis etablierte ich während meiner Residenz an der Walter-Lübcke-Schule einen offenen, prozessorientierten Raum für Forschung, Kunst und Gemeinschaft, um Jugendliche im ländlichen Raum nachhaltig für kollektives künstlerisches Denken zu begeistern.


Café Nimmersatt: Leerstand als Potenzial

Kontext:Leerstandsprojekt in Wolfhagen, Eröffnung November 2025
Teilnehmende:Diverse Gruppe Jugendlicher (14–19 Jahre) mit ukrainischen, syrischen, kurdischen, russischen und italienisch-deutschen Hintergründen
Förderung:Mit 20.000 Euro prämiert durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

Unter meiner Anleitung im Rahmen eines Projekts analysierte eine Gruppe von Schüler:innen den Leerstand in Wolfhagen. Nach der Analyse entwickelten die Schüler:innen verschiedenste Nutzungskonzepte – vom historischen Museum in den Bunkern bis zum Lese-Café. Das Projekt wurde mit 20.000 Euro durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum prämiert.


Mit dieser Förderung renovierten wir ein leerstehendes Ladenlokal und eröffneten im November 2025 offiziell das „Café Nimmersatt“. Das Projekt ist gelebte Demokratiebildung: Eine diverse Gruppe Jugendlicher übernimmt die volle Verantwortung, gestaltet den Innenraum, trifft betriebliche Entscheidungen und trägt die Verantwortung.


Dank der Unterstützung der lokalen Buchhandlung Manders füllten sich die Regale mit Buchspenden. Heute bietet der Raum Platz für selbstorganisierte Peer-to-Peer-Workshops (Origami, elektronische Musik), Ausstellungen und Lesungen, etwa mit der Künstlerin Colo Kraft.


Café Nimmersatt Gemeinschaftsraum

Café Nimmersatt Innenraum

Café Nimmersatt Workshops


Demokratie, ein Poetry Slam

Kontext:Demokratietag & 5. Todestag von Walter Lübcke
Credits:Leitung: Tilman Döring | Redaktion: Armina Abdollahi, Dawid Liftinger | Layout: Tang Wan-Jung

Zum Demokratietag produzierte das Fliegende Künstler:innenzimmer ein kleines Büchlein mit Poetry-Slam-Texten der Schüler:innen zum Thema Demokratie. Diese Texte wurden in der Martinskirche Kassel im Rahmen der Gedenkfeier zum 5. Todestag von Walter Lübcke im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorgetragen und erhielten große Anerkennung.


Aus den 15 Texten entstand ein gedrucktes Buch, das dem Bundespräsidenten persönlich überreicht wurde. Als Reaktion auf rechtsextreme und antisemitische Schmierereien an der Schule erstellten wir zudem einen QR-Code zum kostenfreien Download des Buchs, der an der Schule und beim Schulfest als klares Zeichen gegen Hass und Intoleranz verbreitet wurde.


Übergabe des Poetry-Slam-Buchs an Bundespräsident Steinmeier

Übergabe des Poetry-Slam-Buchs an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Poetry Slam Workshop


Workshops

Animate the Facade

Kontext:KinderUni Linz / Wels / Hagenberg und Ars Electronica (seit 2019)
Teilnehmende:Kinder und Jugendliche (9–15 Jahre)

Im Workshop „Animate the Facade“ im Rahmen der KinderUni an der Fachhochschule Wels/Linz/Hagenberg gestalteten Jugendliche Animationen für die Medienfassade des Ars Electronica Center. Nach einer Einführung in Stop-Motion-Technik und Kunst im öffentlichen Raum entwickelten sie eigene Botschaften für den Stadtraum: Was möchte ich Linz oder der Welt mitteilen? Mit einem intuitiven, eigens für den Workshop programmierten digitalen Zeichentool erstellten sie animierte Sequenzen – von einer „Love is Love“-Regenbogenfahne über EM-Länderfarben bis hin zu flackernden Fehlersignalen. Der Workshop verband künstlerische Praxis mit gesellschaftlicher Reflexion und schärfte das Bewusstsein für Mediengestaltung im urbanen Raum.


Zeichentool:AEC Animator

Animate the Facade Workshop


Future 2 – Es wird gewesen sein

Kontext:1-wöchiges Jugendprojekt in Unna (NRW), 2020
Teilnehmende:Jugendliche (15–17 Jahre), benachteiligte Gruppen wie Schüler:innen mit absehbaren beruflichen Schwierigkeiten, Jugendliche ohne Schul- oder Berufsabschluss

Gemeinsam mit einer Jugendgruppe wurde über einen Zeitraum von einer Woche der Kunstbegriff erweitert, ein kleines Projekt mit Mikrocontrollern realisiert und eine künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum entwickelt. Entscheidend war: Die Jugendlichen übernahmen die Regie. Sie verarbeiteten ihre Lockdown-Erfahrungen und Zukunftsvisionen, indem sie eine „illegale“ Corona-Party-Installation organisierten und kraftvoll sichtbar machten, was sie während der Pandemie am meisten vermissten. Diese Intervention zeigte eindrücklich, wie partizipative Kunst jungen Menschen ermöglicht, in Krisenzeiten den öffentlichen Raum und ihre eigene Stimme zurückzugewinnen.


Future 2 Lockdown Intervention



Hochschule / Universität

Material & Prozeß

Kontext:Grundlagenseminar an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) mit Karin Lingnau und Camilo Sandoval
Zielgruppe:Studierende
Schwerpunkt:Untersuchung von Materialien und materiellen Prozessen im Zusammenspiel mit Technologien und deren ästhetischen Dimensionen, Creative Coding, Rekursion, generative Muster und gelegentliches Keksebacken.

Das Seminar „Material & Prozeß“ rückt das Material in das Zentrum jeder künstlerischen Arbeit – ob physisch/haptisch (Holz, Papier, Textil) oder strukturell/immateriell (Algorithmen). Wir untersuchen Wechselwirkungen zwischen digitaler und physischer Welt durch Experimente mit analogen und digitalen Verfahren (Lasercutting, Riso-Druck, 3D-Druck, Stempeln).


Workshop und Vermittlungspraxis - material process 1

Workshop und Vermittlungspraxis - material process 2


Dieses Seminar konzentriert sich darauf, Material als eigenständiges Element zu begreifen, das nicht nur manipuliert werden kann, sondern eigene Qualitäten und Widerstände besitzt. Die Teilnehmenden lernen diese Qualitäten kennen und wenden sie in ihren eigenen künstlerischen Projekten an.